Onkologische Tagesklinik
Farbkonzepte für die onkologische Tagesklinik am Katharinenhospital
Wie fühlt sich Heilung an? Und welche Rolle spielt der Raum, in dem sie stattfindet?
Räume sind mehr als nur Funktionsflächen – sie sind Resonanzkörper für Genesung. Zahlreiche Studien belegen heute, dass die bewusste Gestaltung der Umgebung einen unmittelbaren Einfluss auf den Heilungsprozess hat.
Für die Onkologie ist dieser Aspekt von besonderer Relevanz: Wo klinische Nüchternheit oft Distanz schafft, kann eine gezielte räumliche Intervention Geborgenheit und Identifikation stiften.
Die Ausgangslage: Vom klinischen Weiß zur Atmosphäre
Die Wände der onkologischen Tagesklinik am Katharinenhospital präsentieren sich derzeit in einem funktionalen, kühlen Weiß. Diese Nüchternheit wird durch einen Mangel an Privatsphäre in den Behandlungs- und Wartebereichen verstärkt. Das Projekt setzt genau hier an: Durch das Medium der Farbe soll der Raum neu gestimmt werden. Ziel ist es, durch chromatische Konzepte und punktuelle räumliche Interventionen eine Umgebung zu schaffen, die sowohl Rückzug ermöglicht als auch die langen Flurbereiche als verbindende, atmosphärische Wege miteinbezieht.
Der Prozess: Recherche, Inspiration, Transformation
Unter der Leitung von Prof. Diane Ziegler und dem Künstler Harald F. Müller entwickelten die Studierenden im dritten Semester des Fachbereichs Innenarchitektur an der Hochschule für Technik Stuttgart (HFT) einen mehrstufigen Entwurfsprozess:
Inspiration & Recherche: Im Fokus stand zunächst die Loslösung vom dreidimensionalen Raum. Die Studierenden erarbeiteten Collagen und Farbwelten, die persönliche Identifikationspunkte bildeten und anschließend einer bewussten Neuinterpretation unterzogen wurden.
Transformation: In Gruppenarbeiten wurden diese zweidimensionalen Farbstudien schrittweise in den räumlichen Kontext überführt. Erste Farbflächen-Simulationen in den Bestandsfotos der Klinik machten die visionäre Kraft der Entwürfe greifbar.
Erkenntnisgewinn: Eine vertiefte Ortsbegehung sowie Gespräche mit Patienten ermöglichten einen Perspektivwechsel. Diese empathische Sichtweise floss unmittelbar in die Ausarbeitung der Konzepte ein, um die Bedürfnisse der Menschen vor Ort – Patienten wie Personal – ins Zentrum der Gestaltung zu rücken.
Das Ergebnis: 12 Visionen für den Raum
In insgesamt 12 Projektarbeiten der Studierenden entstanden differenzierte Gesamtkonzepte für die Tagesklinik. Dabei wurden spezifische Situationen wie Wartezonen, Durchgangsbereiche und die sensiblen Behandlungssituationen detailliert bearbeitet.
Die Bandbreite der studentischen Arbeiten – von grafischen Akzenten bis hin zu raumbildenden Farbelementen – ist in einem begleitenden Booklet dokumentiert. Jede Arbeit entfaltet eine eigene Raumqualität und eröffnet vielfältige Möglichkeiten, die klinische Umgebung in einen Ort der Heilung zu transformieren.



Projektbeteiligte:
Projektleitung: Prof. Diane Ziegler (HFT Stuttgart, Schwerpunkt Entwerfen im sozialen und interkulturellen Kontext)
Künstlerische Leitung: Harald F. Müller (Künstler und Farbexperte, Singen)
Projektbegleitung: Patrizia Klier, M.A. Innenarchitektur (HFT Stuttgart)
Neurowissenschaftliche Projektbegleitung: Minou Nadji-Ohl (Neurochirurgin und Neuroonkologin)
Fotos: Klinikum Stuttgart, Tobi Grosser