Daniel Beerstecher

Ich höre zu – Ein Jahr im Schweigen

Als Performance-Künstler ist Daniel Beerstecher seit Jahren international unterwegs – begleitet von der Frage nach dem Sinn unserer Lebenswege. Er wanderte mit dem Surfboard durch die Wüste, fuhr mit dem Schiff über Land durch den südamerikanischen Kontinent und lief in maximaler Langsamkeit einen Marathon. Mit seinen radikalen Langzeitperformances führt er uns die Absurditäten unserer überreizten Gegenwart vor Augen und macht gleichzeitig die Kraft der Achtsamkeit sichtbar. Dabei versteht er seine Kunst als soziale Praxis: Seine Materialien sind nicht Farbe oder Leinwand, sondern Zeit, Raum, Stille und die unmittelbare menschliche Begegnung.

Ein ganzes Jahr lang wanderte der Künstler für sein Performance-Projekt „Ich höre zu“ schweigend quer durch Deutschland und widmete sich voll und ganz der Kraft des Zuhörens. Seit seinem Start zur Sommersonnenwende 2025 in Stuttgart hat er zu Fuß knapp 3.300 Kilometer zurückgelegt. Sein Weg führte ihn vom Rheinland über Hamburg und Berlin bis hin zu den Grenzländern und zurück in den Schwarzwald. Überall dort bot er Menschen im öffentlichen Raum, in Museen und Kirchen einen urteilsfreien Raum an. Wie die literarische Figur „Momo“ schenkte er sein Schweigen, um einander wieder tiefer zu verstehen. Aus dem anfänglichen Experiment ist ein lebendiges, unschätzbares Archiv hunderter intensiver Begegnungen geworden, das die tiefe gesellschaftliche Sehnsucht nach ungeteilter Aufmerksamkeit sichtbar macht.

Entsprechend dem Fördergedanken „Kunst und Heilung“ der Rainer Beck Stiftung schenkte Daniel Beerstecher seine schweigende Aufmerksamkeit besonders auch Menschen in existenziellen Grenzsituationen. Das Projekt führte ihn sensibel in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Tageskliniken, um Patientinnen, Patienten und dem Pflegepersonal in Momenten von Angst oder Einsamkeit Halt und menschliche Nähe zu vermitteln. Ein besonderer Meilenstein kurz vor dem Ziel ist zudem der Besuch der onkologischen Abteilung des Klinikums Stuttgart am 15. Juni. Die Stiftung, deren Verantwortliche Rainer Beck und Bettina Böhm den Künstler sogar zwei Tage schweigend zu Fuß begleiteten, unterstützte das Projekt von Beginn an. Mit der letzten Etappe schließt sich nun der Kreis: Der Weg führt von Sindelfingen – wo ein wichtiger neuer Ort der Stiftung entsteht – zurück zum Ursprung nach Stuttgart.

In der Finalwoche gibt es nun die letzten Gelegenheiten, dem Künstler im Schweigen zu begegnen, bevor dieses außergewöhnliche Jahr sein offizielles Ende findet und das Schweigen bricht.

Abschlussveranstaltung „Die ersten Worte“

Nach einem Jahr des Schweigens wird Daniel Beerstecher erstmals wieder öffentlich sprechen und sich im Dialog mit dem Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich über die transformativen Erfahrungen seiner Reise austauschen.

Datum: Freitag, 19. Juni 2026
Uhrzeit: 19:30 Uhr
Adresse: Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart
Alle weiteren Details zur Anmeldung und zum Programm finden Sie auf der Webseite von Daniel Beerstecher:


Fotos: Daniel Beerstecher